Dipl. Geol. I.Ratajczak

Angewandte Geologie / Hydrogeologie

25.09.20 Klimastreik, wir waren dabei!

Für die Zukunft unserer Kinder

Der Klimawandel ist kein abstraktes „irgendwann“ mehr sondern real und leider durch Corona medial nur noch sehr wenig present. Seit vielen Jahren diskutieren, demonstrieren und handeln wir nun schon, um die notwendigen Veränderungen endlich durchzusetzen. Bisher aber wird die Transformation weg von fossiler Energie hin zu regenerativer Energie von mächtigen Interessen und deren verlängerter politischer Arm wirkungsvoll verhindert (z.B. Autoindustrie, Kohleindustrie). 

Auch das Konjunkturprogramm im Zuge der Corona-Krise trägt viel zuwenig zum notwendigen Umbau der Wirtschaft, der Energiesystem und der Landwirtschaft bei. Im Wesentlichen ist es doch wieder ein „Weiterso“ mit der Unterstützung von nicht zukunftsfähigen Geschäftsmodellen (z.B. Lufthansa).

Jetzt ist die Zeit abgelaufen, wenn die schlimmste Krise noch verhindert werden soll, dann muss jetzt schnell und massiv gehandelt werden. Was möglich wäre hat der Lokdown ja eindrucksvoll gezeigt. Wenn dies Gesellschaft überleben will, dann ist konsequenter Klimaschutz notwendiger denn je. Die Folgen der ungebremsten Klimaerwärmung drohen unsere Demokratie zu zerstören (der Druck der - euphemistisch als Wirtschaftsflüchtlinge diffamierten Klimafolgeflüchtlinge auf unsere Gesellschaft sei hier nur als eine Folge genannt).

Die Kosten des „Weiterso“ werden zukünftig eine derart hohe Belastung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Systeme darstellen, dass m.E. eine weiterhin funktionierende Demokratie schwer vorstellbar ist. Die Kosten der konsequenten Handlungen zum Klimaschutz nehmen sich dagegen gering aus. 

Das unsere Bundesregierung noch immer nicht konsequent im Sinne des Klimaschutzes zur Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels handelt, liegt offensichtlich nicht mehr daran, dass der Bevölkerung nicht mehr „zugemutet“ werden kann, sondern daran dass die Regierung einzelne Interessen von großen Wirtschaftsunternehmen vorrangig bedient (siehe Kohleausstiegsgesetz, das milliardenschwere Entschädigungen ohne Gegenleistung für die Kraftwerksbetreiber vorsieht). 

Die neuen Möglichkeiten zur Gestaltung der Zukunft bei Änderung unserer Wirtschaftsweise würden dagegen allen nutzen und auch langfristigen gute Arbeitsplätze schaffen und erhalten.

Nachfolgend nur mal ein paar Beispiele:

  • 1. Umbau des Verkehrs, weg vom großen Individualauto hin zur modalen Mobilität mit vorzugsweise Rad- und Fußverkehr auf kurzen Stecken und Zug und Bus auf mittleren und langen Strecken. Das ist kein Verzicht, sondern ein großer Gewinn an Lebensqualität. Der Straßenraum wird neu aufgeteilt, großzügige sicherer Fahrradspuren und großzügige sichere Fußgängerbereiche. Ein gut getakteter sauberer Nahverkehr auf Elektrobasis. Deutlich weniger Autos in der Innenstadt (in der Übergangszeit bis zum Ausbau des Nahverkehrs auch in der Fläche bedarf es große Parkplätze am Stadtrand). Keine parkende Autos in den Straßen, daduch viel Fläche für Menschen insbesondere Kinder. Gute Luft, wenig Lärm, veil Begegnungsraum, weniger Stress. Herrlich. Ist das Utopie? Nein, es gibt bereits Städte die das umgesetzt haben 8z.B. in Spanien) und nach kurzer Zeit waren auch die anfangs lauten Warner- und Kritiker überzeugt. Aber unsere Autoindustrie, wie soll die denn überleben, 800.000 Arbeitsplätze? Die Autoindustrie muss Teil des Wandels werden oder wird untergehen, wie alle Industrien, die den technologischen und gesellschaftlichen Wandel versäumen. Das ist die Aufgabe der mit Millionen Euro-Summen bezahlten „Leistungsträger“. Wenn die das nicht können, dann müssen die Aktionäre diese eben absetzen. 
  • 2. Energiewende im Stromsektor. Es ist längst auf technischer Seite alles vorhanden was es dazu braucht. Einzig es fehlt der politische Wille die passenden Rahmenbedingungen zu setzen. Derzeit wird der Einsatz von regenerativen Energien durch die Politik massiv behindert und die Nutzung innovativer Systeme (z.B. Stromspeicher) wirtschaftlich unattraktiv gehalten. Gleichzeitig werden vermeidbare Kosten den Stromkunden aufgebürdet (z.B.. Re-Dispatch). Für den Umbau der Sektoren: Strom, Wärme, Verkehr hin zur ausschließlichen Nutzung regenerativer Energien werden sehr sehr viele Menschen gebraucht. HandwerkerInnen aus der Region für die Gebäudeisolierung und Gebäudetechnik. IngenieurInnen und TechnikerInnen für den Aufbau der dezentralen Versorgungssystem. BänkerInnen und ProjektkoordiniererInnen für die Steuerung ganzen Arbeiten etc. (was sind da schon die wenigen Arbeitsplätze die in Kürze bei einigen Dinosaurier-Industrien, wie Kohleförderung, wegfallen?).
  • 3. Umbau der Landwirtschaft zu einer klima- und umweltverträglichen Arbeitsweise. Ist es ein Verlust, wenn es nicht nur Monokulturen aus Mais und Futtergras gibt? Wenn Gülle wieder in Maßen als wertvoller Dünger und nicht in Massen auf die Felder und letztlich Gewässer unf Grundwasser ausgebracht wird?. Wenn es wieder blühende Felder und große vernetzte Streifen gibt? Wenn die Giftduschen, als Pflanzenschutz bezeichnet, nicht mehr in immer steigenden Mengen ausgebracht werden? Ist es ein Verlust, wenn man nicht jeden Tag kiloweise unter unerträglichen Bedingungen produziertes Fleisch essen kann, sondern lieber weniger und dafür hochwertig und moralisch vertretbar erzeugtes Fleisch isst? Ist es ein Verlust, wenn man wieder Insekten und Vögel auch auf dem Land findet? Für mich eindeutig nicht. Das eine ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft auch gleichzeitig eine klimaschonendere Landwirtschaft ist, umso besser. Für die LandwirtInnen insbesondere die bäuerlichen LandwirtInnen kann das doch auch nur gut sein. 

Hier ließe sich noch lange weiteres aufzählen, was bei Umsetzung der konsequenten Klimaschutzmaßnahmen an positiven „Nebenwirkungen“ zu erwarten ist. Jedenfalls ist es keine Verlust, sondern ein Gewinn an Lebensqualität. Sicher „Ersatzbefriedigungen“ für die heute alltägliche Entfremdung von der Natur, von der wir ja auch nur ein Teil sind, wie jedes Jahr ein neues Handy, das hundertste paar Schuhe, das noch größere Auto (als das vom Nachbarn), der noch spektakulärere Urlaubsferntrip etc. auf die müssen und können wir getrost verzichten!

Wir alle sind aufgefordert unser eigenes Handeln zu hinterfragen, aber ohne Änderungen der politischen Rahmenbedingungen ist die Klimaerwärmung nicht zu stoppen. Deswegen heißt es jetzt laut zu werden und unserer Politik klar zu machen, dass wir Bürger von unserer Regierung mehr erwarten, als das kleine „Klimapäckchen“. 

Deshalb beteiligt euch an Klimastreiks, werdet laut, sprecht eure Volksvertreter an, diskutiert mit Nachbarn und Freunden und auch (mit Geduld) mit den Menschen, die meinen es könnte noch so weiter gehen wie bisher. 

Und versucht selbst so täglich gut wie möglich im Sinne der nachfolgenden Generationen zu handeln und zu leben!